Der Strompreis an der Leipziger Börse kennt seit Jahren nur eine Richtung: abwärts. Von dem Trend profitieren vor allem Großunternehmen, die sich heute günstig für die Zukunft eindecken.

Handelsraum an der EEX in Leizpzig (Quelle EEX)

Handelsraum an der EEX in Leizpzig (Quelle EEX)

Der Januar 2013 markiert eine ganz besondere Zeit an der Strombörse EEX in Leipzig. Denn der Preis für Strom ist in diesem Monat auf den niedrigsten Stand seit 2005 gesunken. Nach Angaben des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) ist dafür der stetig steigende Anteil an erneuerbaren Energien verantwortlich. Alleine 2012 seien laut IWR 110 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Wind, Sonne, Wasser oder Deponiegas (EEG-Strom) eingespeist worden. Zum Vergleich: 2009 hatte das Volumen noch bei 75 und 2005 bei 44 Milliarden Kilowattstunden gelegen. Und weil immer mehr Strom aus regenerativen Quellen stammt, sind die Börsen-Strompreise auf Rekord-Tiefststände gesunken.

Fallen Börsenkurse seit 8 Jahren

So lag der Preis für Grundlaststrom zur Lieferung 2014 im Januar 2013 bei rund vier Cent pro Kilowattstunde (Cent/kWh) – ein Wert, der zuletzt vor acht Jahren notiert werden konnte. Noch 2008 musste mit knapp zehn Cent/kWh mehr als das Doppelte für einen Jahreskontrakt, einen sogenannten Phelix-Future, bezahlt werden. Selbst für die bereits handelbaren Jahre 2015 (4,2 Cent/kWh) und 2016 (4,2 Cent/kWh) stagnieren die Strompreise bei Lieferung auf dem Niveau von vor zehn Jahren. Und das, obwohl 2015 mit Grafenrheinfeld in Unterfranken ein weiteres Kernkraftwerk abgeschaltet wird.

Strom-Großabnehmer sind Gewinner der Baisse

Von dem massiven Preisabschwung profitieren jedoch keine Privathaushalte. Im Gegenteil: Verbraucher leiden schon seit Jahren unter stetig steigenden Stromtarifen. Alleine Anfang 2013 verteuerten weit über 700 Versorger ihre Lieferungen um im Schnitt elf Prozent. Großabnehmer oder Handelshäuser jedoch, die an der EEX ihren Strom kaufen oder Derivate erwerben, jedoch die Gewinner der Baisse. Denn sie können schon heute preiswert für die Jahre 2014 bis 2016 mit Lieferrechten eindecken.

Energieintensive Betriebe werden doppelt entlastet

Damit werden Großabnehmer derzeit doppelt entlastet: Zum einen von den sinkenden Einkaufspreisen an der Strombörse, zum anderen durch die weitreichenden Ausnahmeregelungen vom Erneuerbare-Energien-Gesetz – dem EEG. Tatsächlich können sich energieintensive Betriebe von der Umlage befreien lassen. Weil sie, so das Argument, im internationalen Wettbewerb stehen und in anderen Ländern der Strom für die Industrie deutlich günstiger ist. Doch das kostet. Und jedem Cent Befreiung müssen wiederum die privaten Stromkunden schultern. Rund 800 Firmen hatten 2012 die Befreiung beantragt und damit Mindereinnahmen des EEG von knapp neun Milliarden Euro verursacht.

Im laufenden Jahr haben nach Angaben des Bundesumweltministeriums rund 2.000 Unternehmen eine EEG-Befreiung beantragt. „Die Mitnahmeeffekte der Großabnehmer in mehrfacher Milliardenhöhe werden über die EEG-Umlage auf die Stromverbraucher abgewälzt und die Schuld für steigende Verbraucher-Strompreise dann anschließend den erneuerbaren Energien angelastet“, kritisiert daher auch IWR-Direktor Norbert Allnoch die paradoxe Situation auf dem deutschen Strommarkt.

Matthias Kutzscher

13. Februar 2013

..